Pilsner!
Ganz grosses Thema. Bin eigentlich nicht so der Pilsner Fan. Allerdings kommst
du als deutscher auch nicht um das Thema rum. Als ich in der 1980ern mit Bier
trinken anfing, was Pilsner der in Deutschland dominierende Style. Das war noch
bevor er dann von den „Industrie“ Brauern in den 90ern rund gelutscht wurde.
Hopfen verschwand mehr und mehr, die drinkability wurde erhöht, das aber zum Preis
von Facetten Reichtum und Individualität. Heute ist es äussert schwierig (wenn
nicht sogar unmöglich) die Grossen „Fernseh“-Biere von Veltins über Krombacher
und Bitburger bis zu Warsteiner in einer Blindverkostung auseinander zu halten
(ich kanns nich…). Ok, die meisten behaupten auch gar nicht mehr ein Pils zu
sein. Zurück zu den 80ern. Ich trank damals schon lieber Export (Münchner (oder
bayrisch) hell war damals ziemlich von der Bildfläche verschwunden). Oder auch
Kölsch und Alt. Der zugang zu ausländischen Ales war damals sehr begrenzt. Aber
eben Pils war mir zu Bitter (wohl auch der Grund warum es „rund gelutscht
wurde). Damals hab ich viele von lokalen Brauereien in meiner Umgebung,
gemachte Pilsner als „schlechte“ Biere beurteilt, weil mir da noch nicht klar,
war, das nicht die Biere schlecht gemacht waren sondern der Pilsner style nicht
meiner is. Bin dann also in der Folgezeit (ende 80er, Anfang 90er) auch den
rundgelutschten Fernseh-bieren gefolgt . Das die nicht mehr viel mit dem
eigentlichen Pilsner style zu tun hatte, wurde mir erst Jahre später klar (und
die Biere selber wurden mir schnell Langweilig). Die Entwicklung gipfelte dann
irgendwann in Varianten wie Beck’s Gold etc. und wir würden in Deutschland
wahrscheinlich auch längst Budweiser saufen, wenn den deutschen ihr Bier nicht
heilig wäre (ok, um Becks Gold zu verhindern war es wohl doch nicht heilig
genug…)
Wie sieht
es heute aus? Grundsätzlich haben sich international in den verschiedenen beer
style guides drei verschiedene Pilsner styles durchgesetzt:
- German Style Pilsner
- Bohemien Style Pilsner
- Amercian Style Pilsner
So sind sie
im BJCP guide 2008 und auch beim wahrscheinlich bedeutendsten internationalen
Bier Preis, dem World Beer Cup definiert (dort gibt’s noch „international style
Pilsner“, kann man aber vernachlässigen). Auch Beim european beer star wird so
definiert (auf american Pilsner wird hier verzichtet, da dieser preis sich auf
european styles fokussiert). Vom BJCP
guide gibt es mittlerweile eine 2015 Version, die nimmt insgesamt einen völlig
neuen Ansatz zur style Einteilung, da bin ich aber noch nicht so tief drin und
es wird sich zeigen wie weit sich das dursetzen wird (aber es macht Sinn,
soweit ich das schon beurteilen kann)
Also zurück
zu den Pilsner styles. Im Jahre 1842 wurde der bayrische Brauer Josef Groll ins
tschechische Pilsen gerufen um dort ein vernünftiges Bier zu kreieren. Raus kam
das Pilsner, ein untergäriges klares Bier das optimal herzustellen ist aus dem
weichen Pilsner Wasser und dem dort vorrätigem hellem malz und dem Saazer
hopfen. Der Rest ist Geschichte und Pilsner trat seinen Siegeszug an. Über die
Jahrzehnte entwickelte sich dann in Deutschland ein eigener Pils style. Wo
liegt der Unterschied zwischen beiden styles? Das deutsche Pils ist schlanker
und trockener, sowie herber (bitterer!?) wohingegen der Böhmische etwas mehr Vollmundigkeit
und weniger herbe besitzt. Das Amerikanische ist ein Lager style der aus der
vor Prohibition Zeit stammt. Er erlebt zwar gerade eine Renaissance in der US
craft beer Szene , ich lass ihn aber jetzt mal aussen vor und fokussiert mich
auf die beiden europäischen, weit verbreiteten styles. Dass die beiden Styles nah aneinander sind
liegt auf der Hand. Zum Beispiel das Pilsener Urquell, die Mutter aller
Pilsner. Man sollte ja eigentlich erwarten, dass das ein Bohemien Style Pilsner
ist (Urquell das ist das war Josef Groll 1842 in Pilsen kreierte) und ich habe
auch keinen Dunst wo die Brauer von Urquell es einordnen aber in den letzten 30
Jahren hat sich das meiner Meinung nach vom Bohemien zum German Style Pilsner
entwickelt, wahrscheinlich des Zielmarktes Deutschland wegen. Grundsätzlich
geht das auch, sind ja nicht so weit auseinander und beides Pilsener
Lange Vorgeschichte
nun bevor ich zum wesentlichen komme: angetrieben durch die ganze Thematik der
beiden european Pilsner styles habe ich heute eine Blindverkostung vorgenommen.
Ich habe in der Sieger Liste des european beer star 2015 die beiden Silber Medaillen
Gewinner in Bohemien Style Pilsner , das Alpirsbacher kleiner Mönch und in German
style Pilsner, Bauhöfer’s Ulmer Pilsener
besorgt. Beide leicht in meiner Region zu beschaffen (Südwest Deutschland). Hab
sie mir Blind vorsetzen lassen und wollte einfach wissen ob ich es schaffe, die
beiden zu erkennen, ohne sie jemals zuvor getrunken zu haben. Die Antwort ist
eindeutig Ja! Schon vom Aroma her war ich mir relativ sicher welches welches
is. Der Geschmacks Test hat das dann untermauert. Zu meinem Erstaunen fand ich
das von Bauhöfer sogar besser als das von Alpiersbach obwohl ich immer der
Meinung war, Bohemien Style dem German vorzuziehen. Ich hab das ganze so gut
gefunden, das ich mich entschlossen habe, das von Bauhöfer wieder zu kaufen.
Und das heisst was, Ich trinke nämlich mittlerweile so gut wie keine Lager
(untergärigen) Biere mehr, weil sie mir zu langeilig geworden sind.
Unterm
Strich ist die Erkenntnis also nicht nur das die beiden styles easy
identifizierbar sind sondern auch, das gut gemachtes Pilsner auch mir schmeckt!
Bis Bald,
euer
hophead
Interessanter Blog, weiter so Hophead :-)
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