Neulich
habe ich eine ganz geil krasse Bier Erfahrung mit einem Bier aus Frankreich
gemacht. Verdammte Axt, das war so widerlich, das ich es austrinken musste. Kennt ihr das? Ich hab das manchmal. Da
schmeckt etwas so krass, das du eigentlich sagst: ungeniessbar! Aber irgendwie
kannst du trotzdem nicht aufhören…diese Bier war so eins (am Ende war ich aber
doch froh als es leer war). Ich hatte es aus einer kleinen Brauerei in
Frankreich. Dazu muss ich erwähnen, dass ich im Südwesten Deutschlands wohne,
direkt im Dreiländereck, einen Steinwurf nach Frankreich und die Schweiz. In
dem speziellen Fall hier war ich kurz zuvor in der Brasserie de Saint Louis im
Elsass. Ich habe mir drei verschiedene Biere zum Verkosten mitgenommen. Die
haben natürlich noch mehr im Angebot, allerdings nur relativ langweilige Lager
Biere, also schon gut gemacht aber ich kann das Zeug nicht mehr sehn. Die
Franzosen sind ja jetzt auch nicht unbedingt die führende Nation der Bierbrauer
und irgendwie sind all ihre Biere sehr „malzig“ und wenig gehopft. Ok, sie
verstehen sehr viel von Genuss beim Essen und Trinken aber die grossartigsten
Biere der Welt kommen sicher nicht aus Frankreich. 90% des Marktes in
Frankreich sind massen produzierte Industrie Biere. Inspiriert ist die
Brauszene durch Deutschland (Elsass) und Belgien (Lille und Nord-Pas-de-Calais,
französisch Flandern). Ausserdem existiert noch eine lange Brautradition in der
Bretagne. Gebraut wurde also immer schon traditionell im Norden des Landes, der
Süden spielt beim Thema Bier ehr eine untergeordnete Rolle.
Gibt es
eigene Bier Stile in Frankreich? Ja, ein paar wenig. Meiner Meinung nach drei,
die erwähnenswert sind.
- Allem voran der wohl populärste französische Bier Stil: Das Bière de Garde. Eine Sorte aus der Region Nord-Pas-de-Calais. Klassisch obergärig, gibt es aber vereinzelt auch als untergärige Varianten. Es ist hell bis bernsteinfarben (Ambrée) und hat normalerweise so um die 6% ABV. Wurde traditionell nach der Hauptgärung in Fässern in kühlen Kellern gelagert, wo dann eine zweite Gärung stattfindet. Es wird nach wie vor in Flaschen mit Champagner Verkorkung abgefüllt, auch wenn eine weitere Gärung in der Flasche heute ehr unüblich ist. Bis in die 1970er Jahre war Bière de Garde nahezu ausgestorben, wurde aber dann wiederentdeckt (Zeitgleich mit dem Start von CAMRA in U.K. à vielleicht auch mal ein Blog wert?). Zu der Zeit gab es in Frankreich nahezu nur noch Helle Lagerbiere. Heute wird es von verschiedenen kleineren, lokalen Brauereien angeboten, die Grossen Industriebrauer sehen kein Potential darin und machen nur Lager Biere (kennen wir das nicht aus Deutschland?). Vom Geschmack her ist es sehr Malzbetont und wenig gehopft.
- Bière de Mars (März Bier) oder Bière de Printemps, ein Seasonal. Obergäriges Bier zw. 4.5%-5.5% ABV. Es wird Anfang des Winters gebraut und steht dann ab März zur Verfügung (anders als das deutsche Märzen, das wird erst Ende des Winters (März) eingebraut und steht ab Ende Sommer zur Verfügung). Bière de Mars ist schwach gehopft und wird oft mit Karamell oder anderen Farbstoffen gefärbt um es dunkler zu machen.
- Bière de Noel. Ein starkes, obergäriges Weihnachts- bzw. Winterbier, wie es in vielen europäischen Ländern gebraut wird, aber dennoch ein recht eigener Style in Frankreich. Wird z.T. auch noch mit Gewürzen angereichert (ja, die Franzosen sind nicht so doof wie die deutschen und Geiseln sich mit so ‘nem Humbug wie dem Reinheitsgebot (auch mal ein Blog wert)).
Nach diesem
generellen Ausflug in französische Bier Welt nun aber wieder zurück zur
Verkostung der 3 Biere aus der Brasserie de Saint Louis. Das erste war die
Krasse Erfahrung, wie ich bereits eingangs erwähnt habe. Saint-Louis Sencha Tea
Ale. Bei ratebeer.com wurde es als „Spice/Herb/Vegetable“ kategorisiert. Es
handelt sich um ein Lager Bier das grünen (Sencha) Tee, Mango, Minze, Lemon
Gras und Pflanzenextrakte enthält (Natürlich auch Wasser, Malz, Hopfen und
Hefe, sonst wär es ja kein Bier…) und 6% ABV. Die Brauerei meint das Bier sei
eine unerwartete Reise mit dem süssem, faszinierendem Geschmack Asiens ist. Ok,
unterwartet stimmt, Asien kommt auch gleich durch und faszinierend muss ja
nicht unbedingt positiv sein…hab lange überlegt wie man den Geschmack treffend
Beschreiben könnte und dann fiel es mir ein: man nehme einen Ricola Schweizer
Kräuterzucker in den Mund, lutsche ein paar Minuten darauf rum und spüle dann
mit einem hellen Lager Bier nach. Weiss nicht wer auf so was kommt und ich würd
auch mal gern jemand treffen der das Bier geil findet (wahrscheinlich findet
man so jemandem am ehesten in Japan). Vielleicht hatten die ja auch irgendwie eine
missglückte Würze und haben dann alles was sich gerade so fand da reingerührt
um die Fehlgeschmäcker zu überdecken (neben der Brauerei ist Aldi Filiale, vielleicht
waren sie dort einkaufen). Wir wissen es nicht und werden es wohl auch nie erfahren.
Apropos Erfahren: die Erfahrung war es wert…
Das zweite
war dann Saint Louis Pine Bark Ale. Kategorisiert als American Pale Ale mit
6.7% ABV. Wie der Name schon verrät wird das Ale neben dem Hopfen Simcoe auch
mit Kiefern Rinde gewürzt. Es hat also neben den fruchtigen und hopfigen Aromen
auch gewisse holzige Noten. Wozu erschliesst sich mir allerdings nicht. Es war
jetzt ganz gut trinkbar, aber wenn man es nicht probiert hat, hat man auch nix
verpasst. Und die holzige Note hab ich auch ehr als störend empfunden. Ich bin
ja alles andere als ein Befürworter des deutschen Reinheitsgebots allerdings
finde ich jetzt auch man muss nicht jeden scheiss ins Bier rühren und manchmal
is weniger mehr. Wenn es aber positive Effekte hat, wie zum Beispiel wenn Mikkeller
oder EvilTwin solche Spielchen treiben, dann bin ich dabei. Aber in der
Brasserie de Saint Louis sollten sie lieber vorher etwas experimentieren (üben)
bevor sie aufn Markt geht (tu ihnen
wahrscheinlich unrecht, es gibt sicher nen Markt für den Kram). Es ist ja immer
Geschmackssache. Immerhin war es eine Steigerung zu dem scheusslichen Bier das
ich vorher beschreiben habe…
Aber dann
wurde es doch noch versöhnlich. Das dritte Bier war das Saint Louis IPA. Ein
wirklich gut gemachtes, Amber bis Braun farbiges Bier mit Amarillo Hopfen und
5.8% ABV. Das war recht rund und ich kauf es mir Sicher mal wieder. Ok, es ist
jetzt nicht Weltklasse, sondern einfach nur ganz gut, speziell wenn man bedenkt
es aus Frankreich kommt (ich glaub so viel kam bisher raus: Ich halte die Franzosen
nicht für die grösste Braunation…). Ja, und ich denke um es zum Weltklasse IPA
zu machen, sollte man es insgesamt etwas stärker Hopfen und zum Amarillo noch
Simcoe verwenden. Ausserdem noch stärker ein brauen damit der Alkohol Gehalt
steigt.
In diesem
Sinne
Euer hophead
No comments:
Post a Comment