Tuesday, January 5, 2016

Pilsner

Pilsner! Ganz grosses Thema. Bin eigentlich nicht so der Pilsner Fan. Allerdings kommst du als deutscher auch nicht um das Thema rum. Als ich in der 1980ern mit Bier trinken anfing, was Pilsner der in Deutschland dominierende Style. Das war noch bevor er dann von den „Industrie“ Brauern in den 90ern rund gelutscht wurde. Hopfen verschwand mehr und mehr, die drinkability wurde erhöht, das aber zum Preis von Facetten Reichtum und Individualität. Heute ist es äussert schwierig (wenn nicht sogar unmöglich) die Grossen „Fernseh“-Biere von Veltins über Krombacher und Bitburger bis zu Warsteiner in einer Blindverkostung auseinander zu halten (ich kanns nich…). Ok, die meisten behaupten auch gar nicht mehr ein Pils zu sein. Zurück zu den 80ern. Ich trank damals schon lieber Export (Münchner (oder bayrisch) hell war damals ziemlich von der Bildfläche verschwunden). Oder auch Kölsch und Alt. Der zugang zu ausländischen Ales war damals sehr begrenzt. Aber eben Pils war mir zu Bitter (wohl auch der Grund warum es „rund gelutscht wurde). Damals hab ich viele von lokalen Brauereien in meiner Umgebung, gemachte Pilsner als „schlechte“ Biere beurteilt, weil mir da noch nicht klar, war, das nicht die Biere schlecht gemacht waren sondern der Pilsner style nicht meiner is. Bin dann also in der Folgezeit (ende 80er, Anfang 90er) auch den rundgelutschten Fernseh-bieren gefolgt . Das die nicht mehr viel mit dem eigentlichen Pilsner style zu tun hatte, wurde mir erst Jahre später klar (und die Biere selber wurden mir schnell Langweilig). Die Entwicklung gipfelte dann irgendwann in Varianten wie Beck’s Gold etc. und wir würden in Deutschland wahrscheinlich auch längst Budweiser saufen, wenn den deutschen ihr Bier nicht heilig wäre (ok, um Becks Gold zu verhindern war es wohl doch nicht heilig genug…)
Wie sieht es heute aus? Grundsätzlich haben sich international in den verschiedenen beer style guides drei verschiedene Pilsner styles durchgesetzt:
  • German Style Pilsner
  • Bohemien Style Pilsner
  • Amercian Style Pilsner
So sind sie im BJCP guide 2008 und auch beim wahrscheinlich bedeutendsten internationalen Bier Preis, dem World Beer Cup definiert (dort gibt’s noch „international style Pilsner“, kann man aber vernachlässigen). Auch Beim european beer star wird so definiert (auf american Pilsner wird hier verzichtet, da dieser preis sich auf european styles fokussiert).  Vom BJCP guide gibt es mittlerweile eine 2015 Version, die nimmt insgesamt einen völlig neuen Ansatz zur style Einteilung, da bin ich aber noch nicht so tief drin und es wird sich zeigen wie weit sich das dursetzen wird (aber es macht Sinn, soweit ich das schon beurteilen kann)
Also zurück zu den Pilsner styles. Im Jahre 1842 wurde der bayrische Brauer Josef Groll ins tschechische Pilsen gerufen um dort ein vernünftiges Bier zu kreieren. Raus kam das Pilsner, ein untergäriges klares Bier das optimal herzustellen ist aus dem weichen Pilsner Wasser und dem dort vorrätigem hellem malz und dem Saazer hopfen. Der Rest ist Geschichte und Pilsner trat seinen Siegeszug an. Über die Jahrzehnte entwickelte sich dann in Deutschland ein eigener Pils style. Wo liegt der Unterschied zwischen beiden styles? Das deutsche Pils ist schlanker und trockener, sowie herber (bitterer!?) wohingegen der Böhmische etwas mehr Vollmundigkeit und weniger herbe besitzt. Das Amerikanische ist ein Lager style der aus der vor Prohibition Zeit stammt. Er erlebt zwar gerade eine Renaissance in der US craft beer Szene , ich lass ihn aber jetzt mal aussen vor und fokussiert mich auf die beiden europäischen, weit verbreiteten styles.  Dass die beiden Styles nah aneinander sind liegt auf der Hand. Zum Beispiel das Pilsener Urquell, die Mutter aller Pilsner. Man sollte ja eigentlich erwarten, dass das ein Bohemien Style Pilsner ist (Urquell das ist das war Josef Groll 1842 in Pilsen kreierte) und ich habe auch keinen Dunst wo die Brauer von Urquell es einordnen aber in den letzten 30 Jahren hat sich das meiner Meinung nach vom Bohemien zum German Style Pilsner entwickelt, wahrscheinlich des Zielmarktes Deutschland wegen. Grundsätzlich geht das auch, sind ja nicht so weit auseinander und beides Pilsener
Lange Vorgeschichte nun bevor ich zum wesentlichen komme: angetrieben durch die ganze Thematik der beiden european Pilsner styles habe ich heute eine Blindverkostung vorgenommen. Ich habe in der Sieger Liste des european beer star 2015 die beiden Silber Medaillen Gewinner in Bohemien Style Pilsner , das Alpirsbacher kleiner Mönch und in German style Pilsner,  Bauhöfer’s Ulmer Pilsener besorgt. Beide leicht in meiner Region zu beschaffen (Südwest Deutschland). Hab sie mir Blind vorsetzen lassen und wollte einfach wissen ob ich es schaffe, die beiden zu erkennen, ohne sie jemals zuvor getrunken zu haben. Die Antwort ist eindeutig Ja! Schon vom Aroma her war ich mir relativ sicher welches welches is. Der Geschmacks Test hat das dann untermauert. Zu meinem Erstaunen fand ich das von Bauhöfer sogar besser als das von Alpiersbach obwohl ich immer der Meinung war, Bohemien Style dem German vorzuziehen. Ich hab das ganze so gut gefunden, das ich mich entschlossen habe, das von Bauhöfer wieder zu kaufen. Und das heisst was, Ich trinke nämlich mittlerweile so gut wie keine Lager (untergärigen) Biere mehr, weil sie mir zu langeilig geworden sind.
Unterm Strich ist die Erkenntnis also nicht nur das die beiden styles easy identifizierbar sind sondern auch, das gut gemachtes Pilsner auch mir schmeckt!
Bis Bald,

euer hophead

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