Saturday, January 23, 2016

IPA!

India Pale Ale, das Aushängeschild der Craft-Brau Szene. D.h., jeder Brauer der hier mitmischen will muss das heute am Start haben und es ist mehr oder weniger zum schnell Indikator geworden ob der Craft-Brauer sein Handwerk versteht. Auch ich muss zugeben, wenn ich mich auf einen persönlichen Lieblings Stil festlegen müsste, ist es das IPA.
Das IPA entstand im 18. Jahrhundert  als englische Brauer ein Bier entwickelten, das die Reise in entlegene Ecken des Empires unbeschadet überstehen sollte. Aus diesem Grunde wurde es stärker eingebraut und gehopft, weil beides (Alkohol und Hopfen) einen starken Einfluss auf die Haltbarkeit hat. Zusätzlich fand man noch heraus das Beigabe von Hopfen in die Fässer während des Transports des bereits fertigen Bieres die Haltbarkeit noch verstärkte. Das nennt man heute Kalthopfung bzw.  Hopfenstopfen. Die These (die sich hartnäckig hält), dass das Bier nach der Ankunft allerdings wieder rückverdünnt wurde (bzw. werden sollte) ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur ein Mythos…Jedenfalls ist mir nicht bekannt, das irgendjemand jemals belege dafür gefunden hat. Wäre ja auch schade, wenn man es verdünnen würde…Anfangs nannte man das Bier nur Pale Ale, 1835 war es dann die Brauerei Hodgson & Co. die erstmalig die Bezeichnung East India Pale Ale verwendete. Bass und Allsop übernahmen das später.
Auch in Amerika entwickelte sich ein sehr ähnlicher Stil, der allerdings noch stärker und bitterer war als der englische. Als im dann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr mitteleuropäische Einwanderer (und mit ihnen das Lager Bier) kamen, verloren die bis dahin üblichen englischen Baustilen immer mehr an Bedeutung. Durch die Prohibition zw. 1920 bis 1933 wurde dann die gesamte Brautätigkeit eingestellt und tausende kleine und mittlere Brauereien verschwanden von der Bildfläche und nach Ende der Prohibition gab es nur noch eine Handvoll Brauereien. Die Fokussierten sich auf kostengünstige Massenproduktion von Lager Bieren. 1975 kam dann der erste Vorläufer des heutigen Westcoast IPA raus: Das Christmas Ale der Anchor Brewery in S.F. Mit der Freigabe des Heimbrauens 1979 in den USA wurde der Boden dann geebnet: Für all die geilen IPA’s die es heute gibt!
Mittlereile gibt diverse verschiedene IPA Stile. Folgende Auflistung erfolgt in Anlehnung an die Guidelines des BJCP 2015:
  • English IPA:  Hopfenbetont und relativ trocken. Blumiges, würziges oder zitrus artiges Aroma, aber nicht übertrieben. Beispiele: Meantime IPA, Thornbridge Jaipur, Fuller’s Bengal Lancer IPA. Ich finde es ganz nett oder mal so ausgedrückt: besser als kein IPA, persönlich bevorzuge ich aber andere IPA Syles wesentlich mehr.
  •  American IPA: intensives Hopfenaroma (bitter), typischerweise mit Amerikanischem Hopfen gemacht (und vor allem viel Hopfen). Typisch sind starke Citrus oder Tropische Früchte, aber auch Melone und Beeren.  Es hat eine kräftige aber nicht kratzige bittere. Beispiele: Firestone Walker Union Jack, Braukunstkeller Armasi (btw.: trägt den inoffiziellen Titel „bestes deutsches IPA“), Dogfish Head 60 Minute IPA, Ballast Point Sculpin IPA (das ist echt geil…), Victory Hop Devil. Ich sag dazu nur eins: das ist mein Style!
  • Belgian IPA: gibt’s noch nicht so lange und ist eine Kombi aus belgischen Tripel und amerikanischem IPA. Es zeichnet sich durch die typische Fruchtigkeit aus, die durch belgische Hefen erzeugt werden. Aber natürlich hat es die typische hopfenbittere, kann von moderat bis deutlich gehen. Beispiel: Houblon Chouffe, Stone Cali-Belgique, Urthel Hop it. Ich würde mal so sagen: wer gerne belgische Tripel mag, der wird das auch mögen. Beide Stile sind unverkennbar raus schmeck bar. Auch ich trinke gerne mal so eins, mag aber andere IPA Styles lieber.
  • Black IPA:  im Prinzip wie das Amerika IPA, allerdings sehr, sehr dunkel (black ;-). Hat also auch eine grosse Bandbreite an Hopfenaroma und Geschmack. Der Name an sich hat wenig Sinn, da sich schwarz (Black) und fahl/blass (pale) wiedersprechen, deshalb wird es auch hin und wieder Cascadian Black Ale (CDA) genannt. Auch ist es ein gutes Beispiel das die Grenzen irgendwann anfangen zu verschwimmen. Wann ist es ein Black IPA und wann ein stark gehopftes Stout? Beispiele für Black IPA‘s: Widmer Pitch Black IPA, Harpoon Black IPA, Deschutes Hop in the Dark CDA. Für mich gehört der Style zu meinen persönlichen Favoriten. Ist aber auch ein wenig Jahreszeit bedingt. Im Winter Grossartig, im Sommer steh ich ehr weniger drauf.
  • Brown IPA:  lehnt ebenfalls ans American IPA, hat aber Karamell und Schokoladen Noten sowie mehr Körper,  ist aber nicht schwer oder süss. Auch hier wieder die Grenzfrage, wann es ein stark gehopftes Porter ist und wann ein Brown IPA? Beispiele: Dogfish Head Indian Brown Ale, Russian River Janet’s Brown Ale, Harpoon Brown IPA. Auch hier wieder einer meiner Favoriten Stile. Wie eigentlich alle ans American IPA angelehnten.R
  • Red IPA: gehört auch wieder in die „Familie“ der American IPA’s. Betont malzig und auch süsser als andere Varianten. Die Grenze zum Brown IPA ist sehr fliessend. Beispiele: Sierra Nevada Flipside Red IPA, Midnight Sun Sockeye Red, Odell Runoff Red IPA. Den Stil mag ich jetzt zwar auch gerne, aber eigentlich dann lieber Brown IPA weil weniger süsse.
  • Rye IPA:  wird mit Roggen gemacht, trockener und würziger als American IPA. Beispiele: Sierra Nevada Ruthless Rye. Da ich insgesamt kein grosser Fan von Roggenbier bin, bevorzuge ich auch beim IPA die Gersten Malz varianten.
  • White IPA: ist im Prinzip eine Kreuzung aus belgisch Wit und IPA oder anders ausgedrückt: Stark gehopftes Belgisch Wit. Würzig und erfrischend (belgisch Wit wird traditionell mit Orangenschalen und Koriander gewürzt). Beispiele: Blue Point White IPA, Harpoon The Long Thaw.  Da ich mir Belgisch Wit nicht schmeckt, brauch ich das hier auch nicht wirklich.
  • Double IPA. Ist einfach ein an Alkohol noch stärkeres mit noch mehr Amerikanischem Hopfen gewürztes American IPA. Es ist jetzt weder übertrieben süss noch nimmt man double IPA’s als extremer  Bitter war. Der erhöhte Alkohol harmoniert mit dem vielen hopfen. Das ganze wäre auch als English IPA möglich. Alkoholisch liegen double IPA zwischen 7.5% Abv. Und 10% Abv. Mittlerweile gibt es alkoholisch auch noch höhere Varianten. Beispiele: Firestone Walker double Jack, Dogfish Head 90 Minute IPA, Stone Ruination IPA, Three Floyds Dreadnaught. Ich liebe diesen Style. Ist jetzt nicht unbedingt zum Zechen geeignet aber so als „Kamin Bier“ unschlagbar.

Für mich ganz Persönlich ist bei einem IPA immer wichtig das es Harmonisch bzw. Ausgewogen ist. Es darf weder Fuch oder Süsse, noch Alkohol dominieren. Die IPA’s die ich am liebsten mag haben meisten zw. 7 und 7.5% Abv, Die Double IPA’s so 9%-10% Abv. Natürlich gibt es auch sehr gute mit Weniger bzw. mehr. Hängt immer ein bisschen von den Umständen ab. Wenn ich Zechen will dann ist mir was mit weniger Alkohol lieber (4.5%-6% Abv) und für ein „Kamin Bier“, das man aus dem Pokal schlürft darf es auch gerne mal weit über 10% Abv gehen.
Abschliessend noch meine ganz persönlichen Lieblings IPA’s

Weltklasse IPA‘s: 
  • Nøgne Ø IPA
  • Mikkeller Green Gold
  • Ballast Point Sculpin IPA
  • Ballast Point Big Eye IPA
  • AleSmith IPA
  • Stone IPA

Sehr gute IPA’s:

  • HansCraft & Co. Backbone Splitter
  • Brewdog Hoppy Christmas
  • Braukunstkeller Amarsi
  • Coronado Islander IPA
  • Brewdog Jack Hammer
  • Brewdog Punk IPA
  • Dogfish Head Indian Brown Ale
  • Williams Brothers Impale IPA

Weltklasse double IPA’s:

  • Nøgne Ø #500 Imerial India Pale Ale
  • Mikkeller 1000 IBU
  • Ballast Point Dorado Double IPA
  • Brewdog Hardcore IPA
  • Evil Twin Yin & Yang
  • Firestone Walker Double Jack IPA
  • Dogfish Head 90 Minute Imperial IPA
  • Stone Ruination IPA

Sehr gute double IPA’s:

  • Häffner Bräu Hopfenstopfer Seasonal Special Ale
  • Evil Twin Yang
  • Brooklyn Blast
  • Coronado Idiot IPA

Wie man sieht, befinden sich lediglich drei deutsche Biere in der Liste, zwei IPA’s und ein Double IPA. Kein deutsches bekommt von mir das Prädikat Weltklasse. Da müssen wir wohl noch ein paar Jahre warten. Klar, es gibt mittlerweile ordentlich viele IPA’s aus Deutschland die gut schmecken, aber im Vergleich zu USA und Skandinavien hinken die doch noch hinterher. Allerdings muss man fair bleiben und Deutschland die Zeit lassen sich zu entwickeln und verstehen, dass die deutschen sowieso lieber untergärige Biere trinken. Es bleibt spannend was da noch so passieren wird.
In diesem Sinne

Eurer hophead

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