Monday, April 3, 2017

Best Off aus dem ersten Quartal 2017

Ist schon eine Weile her als ich hier das letzte Mal direkt ein paar Biere und deren Brauereien besprochen habe. Deshalb will ich hier mal meine Bier Highlights aus dem ersten Quartal 2017 vorstellen. Da sind mir nämlich einige grossartige Gebräue untergekommen.
Anfangen möchte ich mit Vertretern des Styles, der mir vor allem im Laufe des letzten Jahres ans Herz gewachsen ist, nämlich Kaltgehopfte Lager Biere. Untergäriges Bier ist ja traditionell in Zentraleuropa verwurzelt und da sehe ich auch die grosse Chance der hiesigen Craft Brauer. Da ja die Amerikaner die klassischen englischen Ales „entstaubt“ und modernisiert haben, können die Mitteleuropäer das jetzt mit ihren hellen Lagerbieren machen. Sie sollten diesen Stilen wieder Charakter verpassen (ok, auch da sind die Amerikaner bereits gut im Geschäft). Allerdings habe ich festgestellt, das in der Regel dann das Beste herauskommt, wenn alteingesessene Mittelstands-Brauer, mit viel Erfahrung, mit Grün- bzw. Kalthopfung Arbeiten. Lagerbier brauen ist anspruchsvoll und verzeiht nicht einfach Fehler. Daher ist es Grundsätzlich von Vorteil wenn man sein Handwerk als Brauer versteht. Wenn man dazu noch innovativ und vielleicht auch ein bisschen mutig ist, dann kommen exzellente Biere heraus. Zwei Brauer und ihre Kreationen möchte ich hier vorstellen:
  • Nittenauer Brauhaus. Eine Bayrische Traditionsbrauerei seit 1762. Hat sicher schon immer super und qualitativ hochwertige Biere für die Region produziert aber seit die jüngste Generation in Person von Sebastian Jakob als Braumeister mitmischt passiert auch kreatives und Innovation. Hervorheben möchte ich hier die „Hopfenkreuzfahrt“. Dabei wird ein und derselbe Grundsud (Lager mit 16,8% Stammwürze, Vorderwürze- und Whirlpoolhopfung mit Mosaik, 7.5% ABV / 45 IBU) mit 4 verschieden Hopfensorten kaltgehopft:
    • Five O'Clock mit Bramling Cross aus Englang
    • Uncle Sam mit Amarillo aus Seattle
    • Bier Royal mit Hüll Melon aus der Hallertau
    • Boomerang  Vic Secret aus Neuseeland
--> Absoluter Traum das Zeug. Fruchtiges Lager mit hoher drinkability. Respekt.
  • Weisenhoher Klosterbrauerei. Jahrhunderte alte Klosterbrauerei aus Franken. Seit 1827 in Familienbesitz, wird sie heute von Urban Winkler geführt. Auch hier immer schon hochwertige Biere für die Region. Hervorheben möchte ich aber die Serie Green Monkey. Als Grundsud wird hier ein Pilsner mit 13.4% Stammwürze (5.8% ABV) und einer Hopfengabe mit Smaragd, Perle, Select und Tradition verwendet. Während der Lagerung werden diese dann jeweils mit einem von 3 verschiedenen hopfen kaltgehopft (gestopft):
    • Green Monkey mit Polaris
    • Green Monkey mit Mandarina Bavaria
    • Green Monkey mit Hersbrucker Gebirgshopfen
--> Die Biere sind Bioland zertifiziert und absolut super. Auch hier wieder sehr facettenreich bei hoher drinkabilty. Weiter so!

Bei den nächsten drei „neu“ Entdeckungen handelt es sich um Biere einer der kreativsten und innovativsten Brauereien Europas: Brewdog! Denke mal, die Brauerei brauch ich hier nicht genauer beschreiben, da sie einerseits den meisten sowieso schon bekannt sein wird und andererseits habe ich hier auch schon so einiges über sie gepostet. Ist wohl kein Geheimnis das sie zu meinen Lieblingsbrauereien gehört. Im ersten Quartal 2017 bin ich über drei Biere gestolpert, die ich als ausgewöhnlich bezeichnen würde:
  • Eine Kollaboration von Brewdog und Cloudwater namens New England IPA. (6.8% ABV / 30 IBU). New England IPA ist der IPA „Sub-Stil“ der Stunde! Wird unter anderem auch Vermont IPA, Northeastern IPA, Hazy IPA oder East Coast IPA genannt. Hat bisher noch nicht offiziell die Aufnahme in die grossen Style Guides (BJCP und WBC sind da eigentlich die beiden führenden) gefunden, wird sich aber sicher bald ändern. Was zeichnet ein NEIPA denn nun aus? Es ist extrem fruchtig aber nicht so bitter. Das kommt daher, weil die Hopfengaben frühestens im Whirlpool (am Ende des Würze Kochens)  gegeben werden. Dabei werden Aroma bzw. Flavor Hopfen und ehr keine Bitterhopfen verwendet. Durch die späte Hopfengabe werden auch ehr die ätherischen Öle und weniger die Alphasäuren (für die Bitterness verantwortlich) aus dem Hopfen gelöst. Diese Biere sind sehr trübe (hazy). Da spielt auch eine Rolle, dass man Protein haltige Getreide wie z.B. Hafer zum Brauen mit verwendet. Als Ur-typ gilt da das Heady Topper von der Brauerei The Alchemist aus Vermont / USA. Das ist eines der best-rated IPA’s auf Ratebeer ever. Ich hatte mal das Vergnügen eines zu probieren. Absoluter Wahnsinn! Brauerei Trillium aus Boston oder auch die Tree House Brewing aus Massachusetts sind heute berühmt für diese Art Biere. In Europa begegnet es einem noch nicht so häufig (wird aber kommen, bin ich mir sicher), deshalb musst ich natürlich zuschlagen als das Brewdog vs. Cloudwater NEIPA auf den Markt kam. Das Zeug ist der Hammer. Extreme tropische Fruchtbombe. Total geil!
  • Brewdog Born To Die 17.03.2017 (Imperial IPA, 9.5% ABV / 100 IBU). Bei der Born to Die Serie produziert Brewdog kleine Chargen eines Bieres welche an einem ganz bestimmten Datum den optimalen Geschmack haben sollen. Besser werden sie danach nimmer. Dazu muss man wissen, dass vor allem stark gehopfte Biere frisch getrunken werden sollten. Der Hopfen (vor allem die Fruchtnoten) bauen relativ schnell ab und irgendwann dominiert nur noch bittere. Dieses Born to Die ist eines der besten Imperial IPA’s die ich je hatte! Bittere und Frucht als auch der hohe Alkohol Gehalt harmonieren exzellent miteinander. Aber eben die Tatsache, dass ich es am optimalsten Tag (17.03.2017) getrunken habe, macht es wohl erst zu einem der besten IPA’s die ich je hatte. Ich bin sicher, wenn man es drei Monate später getrunken hätte, wäre es nicht annähernd so ein Erlebnis gewesen. Also Augen auf und zuschlagen wenn’s die nächste Born to Die Serie gibt.
  • Brewdog Elvis Juice (IPA, 6.5% ABV / 40 IBU). Wurde 2016 ins ständige Portfolio der Brauerei aufgenommen, ich hatte aber erst 2017 die Gelegenheit es zu verkosten. Elvis Juice ist ein mit Grapefruit Schalen gewürztes American IPA, das heisst, die Citrus Noten, für welche der Hopfen sorgt, werden durch diese Massnahme gut unterstützt. Herausgekommen ist ein sehr Citrus lastiges IPA. Ich mag sowas sehr gerne und finde dieses hier äusserst gelungen! Absolut zu empfehlen.
Als nächstes ein absoluter Klassiker aus Belgien: Westvleteren 12 (XII) (Quadrupel, 10.2% ABV). Hierbei handelt es sich um ein Belgisches Kloster Bier. Es wird in der Trappistenabtei Sankt Sixtus in Vleteren (Westflandern) gebraut. In Belgien gibt es 6 Trappistenklöster die Bier produzieren. Sankt Sixtus braut dabei die geringste Menge und die Biere können offiziell nur vor Ort im Kloster bezogen werden. Dazu muss man sich telefonisch anmelden, sein Auto Kennzeichen angeben und bekommt dann einen Tag zugeteilt an dem man seine bis maximal 2 Kisten Bier abholen kann. Diese „Verknappung“ ist sicher ein Grund warum in der Szene ein riesen Hype um das Gebräu gemacht wird. Bei Ratebeer.com ist es eines der Best bewerteten Biere aller Zeiten, eigentlich immer unter den Top 3. Allerdings mit fast 4000 Ratings auch äusserst repräsentativ. Die anderen in den Top 10 haben weniger als 1000 in der Regel sogar weniger als 500 Ratings. Trappisten Biere (Dubble, Tripel und Quadrupel) sind schwere, sehr süssliche, alkoholreiche Biere. Sie haben Noten von Schokolade aber auch trocken Früchte etc. Ich hatte nun das allererste mal die Gelegenheit ein Westvleteren Bier zu trinken (wie bereits erwähnt, sau schwer zu kriegen) und hatte mich ja schon innerlich auf eine Enttäuschung eingestellt (schliesslich ist es laut ratebeer.com das beste Bier der Welt…und dem Titel kann ja eigentlich kein Bier standhalten). Aber ich muss sagen, es ist doch etwas ganz besonderes und vor allem innerhalb seines Stils unschlagbar. Es ist sehr komplex und vereint unterschiedlichste Geschmacksrichtungen sehr harmonisch miteinander. Dabei hat es eine unglaublich hohe drinkability die man so einen Gebräu gar nicht zutrauen würde. Die hohe Bewertung hat sicher ein Stück weit seine Berechtigung! Wenn man also die Möglichkeit hat, es zu probieren, unbedingt mitnehmen!
Auch geil: Schneider Aventinus Tap 6 (Weizen Bock, 8.2% ABV / 16 IBU). Auch dieses Bier ist sehr hoch bewertet und momentan Platz 2 im Weizen Bock ranking bei Ratebeer.com. Das Bier ist schon länger auf dem Markt und relativ leicht zu beschaffen. Ich kenne (und schätze) es schon etliche Jahre. Warum ist es also in meinem Best off Q1/17? Weil ich dieses Bier 3 Jahre eingekellert und nun erstmalig geöffnet habe. Da das Bier mild gehopft und Flaschen vergoren ist und 8.2% ABV hat, eignet es sich ideal zum Lagern. Vor allem wird es eben dadurch noch besser, runder, weicher. Also kauft euch ein paar Flaschen und lagert Sie ein, in ein paar Jahren ist die Freude garantiert. Achja, es gibt auch noch eine Eisbock Variante davon. Die ist auch super. Die hab ich auch eingelagert. Lass ich aber noch ein wenig stehen.
Erwähnen muss ich hier auch Emma (Biere ohne Bart) Zapotopaz (American Strong Ale, 8.2% ABV). Auf die Brauerin (Emma) wurde ich erstmalig auf dem Freiburger Craftival 2016 aufmerksam (habe hier im Blog auch was dazu geposted). Damals war es ihr „Erstlingswerk“ Kuckuck Rot und ich kam zu dem Schluss, von der Frau bzw. ihren Bieren werden wir noch mehr hören. So ist es jetzt nicht verwunderlich das ihr Zapotopaz ein super Winter warmer geworden ist. Neben etwas Simcoe ist vor allem mit Topaz, einem traditionellem australischen Hopfen, gearbeitet worden. Das gibt ein schönes, Facetten reiches Geschmackerlebnis. Auch dieses Bier wurde bei Rogg in Lenzkirch gemacht und wie schon bei Freiburger Brau Kollektiv führt die Kombi aus traditionellem Handwerks Knowhow gepaart mit der Innovation von „Jung-Brauern“, zu bemerkenswerten Bieren. Wird spannend sein, wie es mit Emma weitergeht.
Last but not least: Harpoon Czernobog (Imperial Russian Stout, 10% ABV / 70 IBU), ein ganz besonderes Leckerchen! Die Harpoon Brewerie befindet sich in Boston und wurde 1986 gegründet. Sie ist eine Mittelgrosse unter den Amerikanischen Craftbrauereien und liefert allgemein immer ganz gute Biere. Dieses hier habe ich 2014 von einem US Trip mitgenommen und dann in meinem Keller Aufbewahrt. Jetzt war es soweit, es mir an einem schönen, kalten Winterabend reinzupfeiffen. Ich war begeistert! Schöne, wärmende alkoholische Note. Irgendwie nussig und natürlich nach stark geröstetem Espresso schmeckend. Tief Schwarz! Leider war es nur ein Sondersud, es gibt das Bier also nicht mehr. Zwar Schade, aber es gibt ja ständig was Neues zu entdecken. Ich bin gespannt.
In diesem Sinne


Euer hophead

Thursday, January 19, 2017

Kölsch vs. Alt

Seit vielen Jahren vertrete ich gegenüber „Fernsehbier“ Trinkern die These, dass es für sie eigentlich wurscht ist, welches Bier sie trinken. Die wenigsten Menschen können in einer Blindverkostung einen Unterschied zwischen den üblichen Verdächtigen rausschmecken (nenne mal als Beispiel  Krombacher, Warsteiner, Bitburger und Becks). Ohne es jemals wirklich überprüft zu haben, denke ich, dies gilt ebenfalls für Bayrisch Hell. Biere wie z.B. Augustiner, Ayinger, Tegernseer, etc. sind ebenfalls extrem schwer zu unterscheiden. Wie eigentlich alle hellen „Durchnitts“ Lager Stile die so in Deutschland produziert werden. Da sind sicher sehr viele exzellent gemacht und auch sehr anspruchsvoll zu brauen, aber ohne Frage, sie besitzen kein komplexen Geschmacks Profil oder eine individuelle Charakteristik.
Warum glauben aber die meisten Bier Trinker, sie könnten es auseinander halten? Warum schwört der eine auf Krombacher und der andere auf Becks? Weil das Marketing ihnen etwas suggeriert mit dem sich der Konsument identifiziert. Warsteiner is das einzig Wahre, durch Krombacher saufen rettet man den Regenwald, Fussball Fans kloppen sich Bitburger in den Kopp und der Durst nach der grossen weiten Welt lässt sich mit Becks bestens stillen. So findet jeder seinen Platz. Auch spielt die Optik (Logo, Etikettierung, Flasche, Kasten) eine wichtige Rolle. Ebenfalls auch  regionale Gründe wie Heimatverbundenheit. Die einzig konsequenten unter den Wirkungstrinkern sind die Oettinger Kunden. Denn die sparen einen Haufen Geld gegenüber den anderen bei gleichem Effekt: Durst löschen und strack werden („wirkungstrinken“).
Wie bereits eingangs erwähnt, bin ich seit Jahren davon überzeugt und verwickle mich regelmässig in Diskussionen mit „Wirkungstrinkern“, die glauben es auseinander halten zu können. Neulich aber bin ich auf etwas gestossen, das hat selbst mich verblüfft und damit hätte ich nicht gerechnet! An der Hochschule Düsseldorf wurde ein Experiment mit 50 Düsseldorfern und 50 Kölnern durchgeführt. Die Probanden waren alles Männer im Alter von 35-65 Jahren. In einer Blindverkostung ging es unter anderem darum, die probierten Biere dem Stil Kölsch oder Alt zuzuordnen. Dabei war die Trefferquote bei nur 55% was in etwa dem Niveau des Zufalls entspricht. Das heisst tatsächlich, die meisten Bier Trinker können das nicht auseinander halten! Damit hätte ich nicht gerechnet. Zudem wurde auch noch die die jeweilige Präferenz abgefragt und das Ergebnis war sowohl bei den Kölnern wie auch den Düsseldorfern ca. 50:50. Der gleiche Test wurde dann nochmals offen mit neuen Probanden durchgeführt und man höre und staune: hier verschoben sich die Präferenzen zugunsten des Heimatbieres auf 78:22. 
Mich hat es natürlich gleich gejuckt: kann ich das auseinander halten? Also hab ich mir Alt und Kölsch besorgt und mir blind vorsetzen lassen. Die Antwort ist: Ja, ich konnte es richtig zuordnen und habe auch den Geschmacksunterschied als relativ gross empfunden. Alt enthält mehr Bitter Hopfen und weniger Aroma Hopfen als Kölsch und es wird  dunkles Cara Malz verwendet (bei Kölsch dafür helles Cara). Ansonsten sind beide sehr ähnlich, basieren primär auf Pilsner Malz, bekommen die gleichen Hopfen Sorten und es wird auch der gleiche typ Hefe verwendet. Aber es reicht meiner Meinung nach um einen merklichen Geschmacksunterschied zu ergeben. Alt schmeckt bitterer (herber) und enthält Röstaromen, Kölsch ist milder und fruchtiger. Nun bin ich natürlich entsprechend trainiert, da ich ja seit vielen Jahren die unterschiedlichsten Biere probiere. Also hab ich auf die schnelle ein befreundetes Paar gefragt ob sie den Blind Test ebenfalls durchführen könnten. Er ist Bier Trinker aber eben fokussiert auf pale Lagers (am liebsten mild gehopft), trinkt aber auch sehr gerne Kölsch. Sie trinkt eigentlich gar kein Bier.  Beide haben es nicht geschafft richtig zuzuordnen.
Das ist bemerkenswert! Dieses ganze gefrotzel bzw. entweder/oder Scheiss zwischen Kölsch und Alt basiert also im grossen und ganzen nur auf einem regionalem Zugehörigkeits Gefühl und hat absolut nicht mit Geschmack zu tun (ich hab immer schon Kölsch und Alt gemocht). Ausserdem wird dann wohl die grosse Mehrheit auch keinen Unterschied zwischen Pils, Export und Hellem feststellen können. Das erklärt dann auch warum man „ein Bier trinken geht“ da es für die Mehrheit völlig bums ist was der Wirt am Hahn hat, solange es als Bier identifizierbar ist. Das wiederum is ja eigentlich nix neues!
In diesem Sinne

Eurer hophead