Sunday, April 17, 2016

Bier Laden

Mittlerweile ist ja das Craft Beer Thema in Mitteleuropa so angekommen, das immer mehr Bier Läden eröffnen. Also Shops vor Ort, die sich auf eine umfangreiche Auswahl von Craft Bieren spezialisieren. So in etwas nach demselben Muster wie es auch Wein Handlungen gibt. Da ich am Ende von Deutschland wohne sieht das in meiner Stadt ziemlich mau aus. Zuerst entsteht so was natürlich in Metro Regionen wie Berlin, Hamburg, München, etc. und wenn es dort erfolgreich ist erreicht es auch irgendwann die Peripherie.   Da ich sehr nah an der Grenze zur Schweiz wohne, habe ich Natürlich Zugang zu solchen Spezial Geschäften dort, allerdings herrscht dort ein ganz anderes Preis Niveau als in Deutschland und ich habe natürlich auch noch das Problem, dass ich den Stoff über die Grenze schaffen muss. Also beziehe ich seit Jahren mein Bier primär via Online Handel. Da ich jetzt auch nicht der Typ bin der Beratung braucht (…bin ehr der Typ der berät…) fahre ich auch gut damit. Allerdings habe ich auch schon mit dem Gedanken gespielt, selbst einen Laden zu eröffnen. Allerdings hielt mich bisher die Arbeitsintensivität, gepaart mit der Tatsache dass da sowieso nicht wirklich das grosse Geld verdient wird, davon ab.
Im November 2015 hat in Freiburg i.Br. (weit unter 100 km von meinem Wohnort entfernt) ein Enthusiastischer Belgier einen kleinen Laden eröffnet: die Bierhandlung. Neulich habe ich mal die Gelegenheit genutzt, dem Laden einen Besuch abzustatten und mir ein Bild zu machen. Der Laden ist ca. 5 auf 5 Meter gross und ca. 100 verschiedene Biere  auf selbstgebautem Mobiliar fein Säuberlich aufgereiht. Der Laden wirkt recht „alternativ“ passt aber voll und ganz in das Viertel in dem er sich befindet und ich finde ihn eigentlich auch ganz hübsch. Das Sortiment ist ganz umfangreich, allerdings fehlen die kreativen Skandinavier wie Mikkeller, To Øl, Evil Twin, Nøgne Ø, etc, aber auch die grossen Amerikaner (ok, die sind schwer zu bekommen…) sind nicht vorhanden. Im Laden war nur die Frau des Besitzers, die meine Frage nach den fehlenden innovativen Europäern (und auch Amerikaner) damit mit beantwortete, das man erst mal die Importeure finden müsste (ok, wenn man die finden will, findet man sie auch…). Insgesamt war sie recht kompetent und wir haben uns lange angeregt unterhalten. Der Laden hat auch eine grosse Auswahl an belgischen Bieren (klar, der Besitzer ist Belgier…). Allerdings merkte man der Dame im Laden an, das ihr Bier Geschmack sehr Belgien lastig ist. Sie kam immer wieder auf das Regal der Belgier zurück um was zu empfehlen obwohl meine Präferenz ehr bei den englisch inspirierten neuen amerikanischen Styles liegt (was ich sie auch wissen liess). Das ein oder andere Mal hat sie sich auch negativ eben über die über die Tatsache geäussert, warum immer alle so auf das „amerikanische“  stünden oder auch das sie den Begriff Craft und das damit verbunden Lebensgefühl nicht mag (bildlich meinte sie die Tätowierten, vollbärtigen Craft Brauer die überall mit einem fancy Bier-Glas in der Hand in eine Kamera grinsen). Mir ist das ehr wurscht. Ich beurteile den Geschmack. Und da kommt der richtig gute Stoff halt aus USA und Nordeuropa und tätowierte vollbärtige und gepiercte Männer sind halt aktuell der Zeitgeist…
Was mich auch sehr verwunderte war die Preisgestaltung. Es gab kaum Biere unter 3 Euro. Das meiste war so ab 3.50 aufwärts. Das hätte ich nicht gedacht. Aber das ist auch noch ein bisschen ein Branchen Problem, die Preise variieren sehr. Man kann das Gleiche Bier je nach Shop zwischen 1.70 und 3.90 bekommen. Da gilt „Augen auf beim Eier kauf“. 
Ich habe auch gefragt was denn so am besten läuft und die Antwort war „Locals“ und Belgier. Beides jetzt nicht verwunderlich: Lokalität ist ja sowieso der Bedarf der Stunde und belgisch erschliesst sich mir auch da die Verkäufer eine ausgereifte Passion für diese Biere haben. Allerdings hab ich aus dem „Lokale Brauer sind am gefragtesten!“ gleich einmal  abgeleitet, dass ich mit so nem Laden nicht glücklich werde würde, da mir die Lokalen schnell Langweilig würden und die bei Erfolg sowieso im örtlichen Getränke Markt erscheinen werden.
Insgesamt gab es nicht viel was ich noch nicht kannte, habe aber das ein oder andere gefunden was ich mitgenommen und verkostet habe.
  • Die erste Entdeckung war dann ein Local: Fresh Daisy von Malt&Hops. Dahinter stehen zwei Freiburger Freaks aus der Homebrew Szene, die Ihre Biere „daheim“ entwickeln und sie dann bei der Löwenbräu in Bräunlingen brauen lassen. Diese hier ist ein Pale Ale mit 5.8% ABV, welches mit Columbus und Citra gehopft wurde. Sehr gut gemacht! Hat diese grasigen Noten die ich so liebe. Also davon kann man sich durchaus öfter eines gönnen.
  • Das zweite Bier war dann auch von Malt&Hops: Black Lily, ein Black IPA, 6.2% ABV, mit Amarillo, Columbus und Simcoe gehopft. Das war dann schon nicht mehr so der Bringer. Im Aroma kommt eine Starke Banane Note durch, allerdings im Geschmack überlagern die Röstaromen das Potential das der Hopfen liefern könnte. Für mich nicht harmonisch genug. Würd ich nicht nochmals kaufen.
  • Jrön, ein Gemeinschaftssud gebraut von der Kreativbrauerei Kehrwieder (Oliver Wesseloh) und der Düsseldorfer Tradtionsbrauerei Uerige. Nennt sich „Grünhopfen Sticke“. Sticke ist ein stärker ein gebrautes Alt Bier. Wir haben hier also ein Alt mit hoher Stammwürze das mit erntefrischen Dolden gehopft wurde (Günhopfen). Das Bier ist recht Facetten reich: Röstmalze, Kaffeenoten, leichte Säure und Bitter im Abgang. Zu erwähnen ist ausserdem die aussergewöhnliche Flasche: Bügelverschluss und dennoch Long Neck. Der „Uerige“ Schriftzug ist reliefartig ins Glas gearbeitet und das Etikett sieht auch gut aus. Hab es bis jetzt nicht übers Herz gebracht die leere Flasche zu entsorgen (…auch wenn ich nicht weiss was ich mit dem Staubfänger soll…)
  • Frischer Traum: ebenfalls ein  collaboration Brew  zwischen Kreativbrauerei Kehrwieder und dem Riedenburger Brauhaus. Ein Pale Ale, 5.7% ABV mit erntefrischem Bio Cascade Hopfen gebraut. Für mich ein bisschen zu eindimensional, zu Bitter bei zu wenig Frucht. Vielleicht war es auch schon zu alt (6 Monate). Grün Hopfen Biere muss man Frisch trinken (eigentlich alles stark gehopfte, denn der baut schnell ab). Bei dem Bier würd ich es mal so ausdrücken: wenn man es nicht hatte, hat man auch nix verpasst…
  • Schoppe Bräu Flower Power Session IPA, 4.7% ABV. Thorsten Schoppe ist ein Berliner Brauer und ein Urgestein in der deutschen Craft Bier Szene. Er Braut schon spannendes seit irgendwann am Anfang dieses Jahrtausends. Auch wenn mich die Chefin im Laden gewarnt hatte das Bier fände sie zu langweilig, so konnte sie mich dennoch nicht davon abhalten, es zu kaufen…leider hatte sie recht. Es ist Langweilig und sein Geld nicht wert…   

Als Fazit des Besuchs hab ich eigentlich gezogen, das ich nicht in der Zielgruppe bin. Dieser Laden spricht ehr Kundschaft an, die noch mal schnell ein paar Biere für den Abend holen, aber ehr nicht mit 24 Flaschen daraus laufen. Für mich persönlich eignet sich der Internethandel erheblich besser, da ich eine viel grössere Auswahl und wesentlich günstigere Preise habe, gepaart mit der Tatsache, dass ich meine Arsch nirgends hinbewegen muss, weil mir der Stoff heim geliefert wird. Bin mal gespannt wie sich in Zukunft der Markt weiter entwickelt und oa sich solche Läden halten können oder ob die wieder verschwinden. Wir werden sehen. Allerdings können sie sehr gut dazu beitragen, das Thema weiter publik zu machen. Deswegen freu ich mich über jeden weiteren der aufmacht.
In diesem Sinne
Euer hophead

No comments:

Post a Comment